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Pauline Lülf.
15 September 2026 Lesezeit 4 Minuten

Was steckt in deinem Heu? Warum eine Heuanalyse im Herbst besonders wichtig ist

Wenn die Weidesaison langsam zu Ende geht, verändert sich die Fütterung vieler Pferde. Das Gras wächst weniger, die Weidezeiten werden kürzer und Heu oder Heulage wird wieder zur wichtigsten Raufutterquelle.

Gerade jetzt lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf das, was dein Pferd täglich frisst: Was steckt eigentlich in deinem Heu?

Denn auch wenn zwei Heuwiesen auf den ersten Blick ähnlich aussehen, können sich ihre Nährstoffgehalte deutlich unterscheiden. Energie, Rohprotein und vor allem der Zuckergehalt können von Heucharge zu Heucharge variieren.

Für viele Pferde spielt das keine entscheidende Rolle. Bei zuckersensiblen Pferden, leichtfuttrigen Pferden oder Pferden mit Neigung zu Stoffwechselproblemen kann die Zusammensetzung des Raufutters jedoch ein wichtiger Baustein der gesamten Rationsgestaltung sein.

Heu ist die Basis der Pferdefütterung

Pferde sind auf eine kontinuierliche Aufnahme von Raufutter ausgelegt. Deshalb bildet Heu – oder je nach Haltung auch Heulage und Weidegras – für viele Pferde die Grundlage der täglichen Ration.

Wie viel Energie, Protein und Zucker ein Pferd über seine Grundration aufnimmt, hängt damit wesentlich davon ab, welche Eigenschaften das verfütterte Raufutter mitbringt.

Das Problem: Man kann den Nährstoffgehalt von Heu nicht zuverlässig anhand von Farbe, Geruch oder Struktur beurteilen, sondern nur eine erste subjektive Einschätzung erlangen.

Ein grünes, aromatisches Heu muss beispielsweise nicht automatisch besonders zuckerreich sein. Und auch optisch eher grobes oder spät geschnittenes Heu kann Nährstoffe in einer Zusammensetzung enthalten, die für das einzelne Pferd relevant ist.

Eine Heuanalyse schafft hier eine objektivere Grundlage.

Wie viel Zucker steckt in Heu?

Besonders interessant ist der Zuckergehalt des Raufutters.

Für ein gesundes Pferd mit normalem Stoffwechsel ist Zucker zunächst einmal ein ganz normaler Bestandteil der Nahrung. Anders kann die Situation bei Pferden aussehen, bei denen die Zucker- und Stärkeaufnahme gezielt kontrolliert werden soll – beispielsweise bei Pferden mit Insulindysregulation, EMS oder einer entsprechenden Stoffwechselproblematik bzw. -neigung.

Hier kann es sinnvoll sein, die Zuckerzufuhr der gesamten Ration genauer im Blick zu behalten.

Aktuelle Daten aus Heuanalysen aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien zeigen, wie unterschiedlich Raufutter ausfallen kann: Im Sommer 2026 wurden insgesamt 1.618 Raufutterproben untersucht.

42 % der Proben enthielten weniger als 100 g Zucker/kg Trockenmasse.
24 % lagen zwischen 100 und 120 g Zucker/kg Trockenmasse.
34 % enthielten mehr als 120 g Zucker/kg Trockenmasse.

Damit enthielt mehr als die Hälfte der untersuchten Proben über 100 g Zucker/kg Trockenmasse.

Das bedeutet nicht, dass Heu mit einem bestimmten Wert automatisch für jedes Pferd ungeeignet ist. Es zeigt vielmehr, wie stark sich die Zusammensetzung von Raufutter unterscheiden kann – und warum pauschale Aussagen wie „Heu ist immer zuckerarm“ oder „dieses Heu sieht zuckerarm aus“ nicht zuverlässig sind.

Besonders wichtig bei zuckersensiblen Pferden

Bei einem Pferd, dessen Zuckeraufnahme kontrolliert werden soll, lohnt es sich deshalb, nicht nur das Kraftfutter und Mineralfutter zu betrachten.

Auch das Heu kann einen erheblichen Teil der täglichen Zuckeraufnahme ausmachen.

Eine Heuanalyse kann dabei helfen, die Ration auf einer besseren Datengrundlage zusammenzustellen. Je nachdem, wie das Ergebnis ausfällt, können beispielsweise Menge, Auswahl oder Aufbereitung des Raufutters sowie die Zusammensetzung der ergänzenden Futtermittel angepasst werden.

Dabei sollte immer die gesamte Ration betrachtet werden und nicht ein einzelner Nährstoff isoliert.

Nicht nur Zucker: Auch Protein und Energie schwanken

Zucker ist jedoch nur ein Teil der Geschichte.

Auch der Gehalt an Rohprotein und Energie kann zwischen verschiedenen Heuchargen deutlich variieren.

Rohprotein im Heu

In den Sommerdaten 2026 enthielten rund zwei Drittel der untersuchten Raufutterproben weniger als 92 g Rohprotein/kg Trockenmasse.

Dabei ist wichtig: Der Wert für Rohprotein beschreibt nicht unmittelbar die Menge an Protein, die dem Pferd tatsächlich zur Verfügung steht. Er wird anhand des Stickstoffgehalts des Futters geschätzt.

Wie viel Protein ein Pferd benötigt, hängt unter anderem von Körpergewicht, Alter, Arbeitsleistung und physiologischem Zustand ab.

Ein proteinärmeres Heu muss deshalb nicht grundsätzlich „schlecht“ sein. Es kann aber bedeuten, dass bei bestimmten Pferden die übrige Ration gezielter zur Proteinversorgung beitragen sollte.

Energie im Heu

Auch beim Energiegehalt gibt es große Unterschiede.

Ein Heu mit einem niedrigeren Energiegehalt liefert bei gleicher Futtermenge weniger Energie als ein energiereicheres Heu. Für leichtfuttrige Pferde kann ein energieärmeres Raufutter deshalb beispielsweise eine andere Ausgangslage schaffen als für ein Pferd mit hohem Energiebedarf.

In den Sommerdaten 2026 lagen 79 % der untersuchten Raufutterproben unter 8 MJ verdaulicher Energie/kg Trockenmasse.

Solche Werte zeigen vor allem eines: Heu ist nicht gleich Heu.

Wie viel Energie ein Pferd tatsächlich benötigt, hängt dabei immer vom einzelnen Tier ab. Körpergewicht, Haltung, Bewegung, Trainingszustand, Alter und individuelle Veranlagung spielen eine Rolle. Auch die tatsächliche Raufutteraufnahme kann von Pferd zu Pferd unterschiedlich sein.

Die genannten Werte dienen daher als Orientierung und sind keine pauschalen Fütterungsempfehlungen.

Ein interessantes Zusammenspiel: wenig Energie, aber viel Zucker

Besonders relevant wird es, wenn verschiedene Eigenschaften des Heus gleichzeitig betrachtet werden.

Denn ein Raufutter kann beispielsweise relativ wenig Energie und Protein liefern und gleichzeitig einen vergleichsweise hohen Zuckergehalt aufweisen.

Genau deshalb reicht es nicht aus, ein Heu nur anhand eines einzelnen Merkmals zu beurteilen.

Die Frage ist nicht „Ist dieses Heu gut oder schlecht?“, sondern „Was liefert dieses Heu und passt das zu den Bedürfnissen meines Pferdes?“

Das gilt ganz besonders für Pferde, deren Ration aufgrund von Körpergewicht, Leichtfuttrigkeit oder Stoffwechselbesonderheiten gezielt gestaltet werden soll.

Heuanalyse: Die Grundlage für eine bedarfsgerechte Ration

Eine Rationsgestaltung beginnt idealerweise dort, wo der größte Teil der täglichen Futteraufnahme herkommt: beim Raufutter.

Kennt man die wichtigsten Nährwerte des Heus, lässt sich die restliche Ration gezielter darauf abstimmen.

So kann beispielsweise vermieden werden, dass ein Ergänzungsfutter unnötig große Mengen eines Nährstoffs liefert, der über das Raufutter bereits ausreichend vorhanden ist. Umgekehrt können gezielt Nährstoffe ergänzt werden, die im Heu weniger stark vertreten sind.

Gerade bei zuckersensiblen Pferden kann dieser Ansatz hilfreich sein: Statt ausschließlich nach einem vermeintlich „passenden“ Kraftfutter zu suchen, wird zunächst betrachtet, wie die gesamte Ration zusammengesetzt ist.

Was sollte eine Heuanalyse zeigen?

Je nach Analyse können unter anderem Werte für folgende Bestandteile relevant sein:

  • Trockenmasse
  • Energie
  • Rohprotein
  • Zucker
  • Rohfaser
  • Mineralstoffe und Spurenelemente

Welche Werte tatsächlich benötigt werden, hängt von der individuellen Situation des Pferdes und dem Ziel der Rationsgestaltung ab.

Bei einem Pferd mit Neigung zu Stoffwechselproblemen kann insbesondere die Betrachtung der Zuckerzufuhr interessant sein. Für die vollständige Rationsplanung sollten jedoch immer mehrere Nährstoffe und die individuellen Bedürfnisse des Pferdes berücksichtigt werden.

Herbst-Check für dein Pferd: Jetzt das Heu unter die Lupe nehmen

Mit dem Ende der Weidesaison verändert sich bei vielen Pferden die Zusammensetzung der täglichen Ration.

Das ist ein guter Zeitpunkt, um nicht einfach davon auszugehen, dass das Heu aus dem vergangenen Jahr oder die neue Heucharge „schon passen“ wird.

Kennst du die Werte deines Heus?

Gerade wenn dein Pferd leichtfuttrig ist, zu Übergewicht neigt oder aufgrund einer bekannten Stoffwechselsituation eine kontrollierte Zuckeraufnahme benötigt, kann eine Heuanalyse wertvolle Informationen liefern.

Denn erst wenn du weißt, was dein Pferd über das Raufutter tatsächlich bekommt, kannst du die restliche Ration sinnvoll darauf abstimmen.

Unser Tipp für den Herbst

Erst das Raufutter analysieren, dann die Ration planen.

Denn eine ausgewogene Pferdefütterung beginnt nicht beim Kraftfutter, sondern bei der Grundlage der täglichen Ernährung.

Und die wichtigste Frage ist nicht, welches Futter allgemein das Beste ist, sondern: Was braucht mein Pferd und was liefert sein Raufutter bereits?