Sommerekzem stellt eine der meist auftretenden Hauterkrankungen dar. Diese juckende allergische Dermatitis tritt vor allem in den wärmeren Monaten von Frühjahr bis Herbst auf und stellt Pferdebesitzer vor die große Aufgabe dem eigenen Pferd Linderung verschaffen zu wollen.
Auslöser ist eine Überempfindlichkeitsreaktion, bei der das Immunsystem über Immunglobulin E (IgE) auf den Speichel von Stechmücken reagiert. Diese allergische Reaktion führt zu intensivem Juckreiz, der die uns allbekannten Symptome mit sich zieht. Jucken, scheuern und daraus resultierenden Wunden sowie kahle, manchmal sogar blutige Stellen.
Besonders häufig betroffen sind der Mähnenkamm und Schweifansatz, sowie die Bauchnaht, Ohren oder Gesicht. Zudem können sich offene Stellen sekundär erneut infizieren, was zu Hautverdickungen und noch mehr Juckreiz führen kann.
Was kann gegen das Sommerekzem getan werden?
Ekzemdecken, Fliegensprays und verschiedene Pflegemittel zum Auftragen auf die Haut können die Symptome lindern. Trotz verschiedener Forschungen ist ein ganzheitlicher Ansatz jedoch noch nicht gefunden.
Vor diesem Hintergrund rücken zunehmend ergänzende Ansätze in den Fokus, die über diese klassischen Maßnahmen hinausgehen. Dazu gehört unter anderem die Frage, inwieweit die Darmgesundheit einen Einfluss auf das Sommerekzem haben könnte.
Das Darmmikrobiom spielt generell eine zentrale Rolle für die Gesundheit der Haut, da beide eng über das Immunsystem miteinander verbunden sind. Im Darm lebt eine vielfältige Zusammensetzung aus Bakterien und Mikroorganismen, die wichtige Funktionen für den Stoffwechsel und die Immunabwehr übernehmen. Sie sind beispielsweise in der Lage, unverdauliche Rohfasern in essenzielle Nährstoffe wie Vitamin K, Vitamin B12 sowie in kurzkettige Fettsäuren umzuwandeln. Dieser Verdauungsprozess findet im Dickdarm des Pferdes statt. Die synthetisierten Stoffwechselprodukte tragen maßgeblich zur Stabilität der Darmgesundheit, des Energiehaushalts und auch der Hautbarriere bei.
Was hat der Darm mit Sommerekzemen zu tun?
Das Sommerekzem wird durch eine fehlgeleitete Immunreaktion hervorgerufen, bei der IgE-Antikörper eine zentrale Rolle spielen. Das heißt, der Körper reagiert sehr stark auf einen eigentlich harmlosen Auslöser, nämlich dem Speichel der „Kriebelmücke“.
Im Vergleich zu gesunder Pferdehaut zeigt allergische Haut zusätzlich deutliche Veränderungen in der Genaktivität. Strukturen, die für die Stabilität der Hautbarriere wichtig sind, wie Tight Junctions und Keratine, sind weniger aktiv.
Tight Junctions sind kleine dichte Verbindungen zwischen Hautzellen, die die Haut wie eine Schutzbarriere abdichten. Sie verhindern, dass zu viel Wasser verloren geht und dass Keime oder schädliche Stoffe leicht eindringen können. Keratine wiederum sind feste Eiweiße, die Haut, Haare und Nägel stabil und widerstandsfähig machen. In der Haut helfen sie dabei, die äußere Schutzschicht stark zu halten und vor Verletzungen zu schützen. Sind diese Strukturen weniger aktiv führt dies zu einer geschwächten Hautbarriere und einer verminderte Schutzfunktion.
Gleichzeitig sind entzündungsfördernde Faktoren wie Serinproteasen und der Botenstoff IL-13 stärker aktiv. Zudem produzieren die Hautzellen vermehrt IL-31, ein Signalstoff, der stark mit Juckreiz in Verbindung steht. Insgesamt ergibt sich ein Bild aus geschwächter Barrierefunktion, verstärkten Entzündungsreaktionen und erhöhter Juckreizanfälligkeit.
Genau hier setzt die Diskussion um das Darmmikrobiom an. Der Darm beherbergt eine Vielzahl an Mikroorganismen, welche einen Einfluss auf die Immunreaktion haben. Es gibt Hinweise darauf, dass ein gesundes Gleichgewicht dieser Mikroorganismen positive Effekte auf immunologische Prozesse haben kann. So wird vermutet, dass das Mikrobiom unter anderem die Synthese von IgE beeinflussen kann. Das heißt, die Synthese von IgE befeuert oder hemmt.
Diese Zusammenhänge sind bisher vor allem aus der Humanmedizin bekannt und noch nicht abschließend geklärt. Aus diesem Grund lassen sie sich bis jetzt nur bedingt auf die Pferdeernährung ableiten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die sogenannte Darm-Haut-Achse. Ein wichtiger Mechanismus der Darm-Haut-Achse besteht darin, dass das Mikrobiom über das Immunsystem auf die Haut einwirkt. Bestimmte mikrobielle Stoffwechselprodukte, fördern die Bildung regulatorischer T-Zellen (Tregs). Diese Zellen sind entscheidend, um überschießende Immunreaktionen zu bremsen und entzündungshemmende Prozesse zu unterstützen. Auch kurzkettige Fettsäuren, welche im Dickdarm gebildet werden, können entzündungshemmend wirken und so zur Beruhigung der Haut beitragen.
Darüber hinaus hat das Darmmikrobiom einen Einfluss auf die Wundheilung. Studien zeigen, dass bestimmte Bakterien die Heilungsprozesse der Haut positiv unterstützen können. Insbesondere Probiotika fördern die Wundheilung, unter anderem durch die vermehrte Ausschüttung von Oxytocin, die Aktivierung regulatorischer T-Zellen und den schnelleren Abbau von Entzündungszellen an der Wundstelle. Dadurch wird die Immunantwort gezielter reguliert und Heilungsprozesse können effizienter ablaufen.
Humanstudien zeigen sogar, dass sich die Einnahme von Pro- und Präbiotika positiv auf Hauterkrankungen wie Akne, Neurodermitis oder Schuppenflechte auswirken können, indem sie das Gleichgewicht des Mikrobioms unterstützen. Ebenso können bestimmte Ernährungsformen, etwa kalorienreduzierte oder fettarme Diäten, sowohl die Darmgesundheit als auch die Hautbarriere verbessern. Insgesamt gilt das Mikrobiom daher als ein vielversprechender Ansatzpunkt für neue therapeutische Strategien.
Zusammenfassend zeigt sich, dass das Darmmikrobiom und die Haut in enger Wechselwirkung stehen. Ein gesundes mikrobielles Gleichgewicht kann dazu beitragen, Entzündungen zu reduzieren, die Hautbarriere zu stärken und Heilungsprozesse zu verbessern, während Störungen in diesem System sowohl die Hautgesundheit als auch das allgemeine Wohlbefinden negativ beeinflussen können.
Trotz dieser vielversprechenden Zusammenhänge ist die wissenschaftliche Grundlage derzeit jedoch noch begrenzt. Viele der bisherigen Erkenntnisse stammen aus Untersuchungen an anderen Spezies oder basieren auf Studien, die noch nicht ausreichend abgesichert sind. Daher besteht ein klarer Bedarf an standardisierten und kontrollierten Studien, um den tatsächlichen Einfluss der Darmgesundheit auf das Sommerekzem beim Pferd verlässlich beurteilen zu können.
Unabhängig davon kann die Fütterung eines Pferdes mit Sommerekzem die Darmgesundheit, ergänzend zu bereits getroffenen Maßnahmen, gezielt und ohne Risiko unterstützen.
Quellen:
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